KiaB! Kayfabe is a Bitch!
???, den ??.??.2017
Themen: Rückblicke auf den WWE Summerslam und Stardom Midsummer Champions / Gedanken über UltraMantis Black und Act Yasukawa


Nun möchte ich gerne noch einmal auf einen Mann zu sprechen kommen, der mich oft inspiriert hat. Ein Mann, ein Insekt, UltraMantis Black. Ich habe kürzlich eine CHIKARA-Show gesehen, und zwar Anniversario: School Reunion vom 27. Mai 2017. Für diese besondere Jubiläumsshow hat sich ´Lightning´ Mike Quackenbush einiges einfallen lassen und hat alte Gesichter aus der Vergangenheit eingeladen. Unter anderem durften wir Mr. ZERO sehen, aber auch das alte Mitglied von Team F.I.S.T. Gran Akuma und sogar den guten Jigsaw. Der Main Event, der in der American Legion Hall in Hellertown, Pennsylvania ausgetragen wurde, war ein geschichtsträchtiges Ereignis. In der "geheimen Staffel" von CHIKARA kehrte UltraMantis Black mit einem Paukenschlag zurück und sicherte sich den CHIKARA Grand Championship, den er mehrmals erfolgreich verteidigte und dann an Juan Francisco de Coronado abgeben musste. Beide trafen im besagten Main Event von School Reunion ebenfalls wieder aufeinander. Diesmal musste sich Coronado allerdings geschlagen geben, denn er, El Hijo del Ice Cream, Gran Akuma, Hallowicked und Frightmare unterlagen in diesem Match dem Team um UltraMantis Black, der gemeinsam mit Dasher Hatfield, Ophidian, Icarus und Mr. ZERO antrat. UMB hat hierbei seinen langjährigen Weggefährten und späteren Erzrivalen Hallowicked mit einer letzten, hammerharten Praying Mantis Bomb via Pinfall besiegt. Das gesamte Match hätte nicht genialer sein können und jeder hat einen entscheidenden Teil dazu beigetragen, damit es so unvergesslich werden konnte. Bryce Remsburg war nach dem Match zu Tränen gerührt, was ich vorher noch niemals gesehen habe. Die Leute haben für UltraMantis applaudiert, der seine Armschoner nacheinander ablegte. Dann öffnete er die Schnüre an seiner Maske, und sofort riefen die ersten Leute "No! No!". Mantis lief noch ein paar Schritte im Ring herum, ehe er sich niederkniete und seine Maske ablegen wollte. Er zögerte und entschied sich dagegen, was ich sehr gut finde. Er war immer Stolz auf seine Identität - ob es sich dabei nun um ihn als UltraMantis Black handelte oder um seine wahre Identität, die er im Gegensatz zu einigen anderen Wrestlern bis heute vollständig wahren konnte und kann. Diese Bilder rührten mich wirklich sehr, da ich seit einigen Jahren ein großer Fan von ihm bin. Einen offiziellen Rücktritt hat man nicht verkündet, doch die Art wie er gefeiert wurde und die Tatsache, dass CHIKARA ihn auf der hauseigenen Website in die Kategorie der ehemaligen Stars verschoben hat, dürften die Sache eigentlich klar machen. UMB hat lange nichts mehr auf seinem Twitter-Account gemacht und auch auf seiner eigenen Website gibt es seit einiger Zeit keine neuen Fanartikel mehr; lediglich die letzten verbleibenden Sachen können noch bestellt werden. UMB hat alles daran gesetzt, sein schwer verletztes Knie so weit wie möglich verheilen zu lassen, damit Quack ihm noch diesen einen großen Run als CHIKARA Grand Champion schenken konnte. Man hat während dieser Zeit gemerkt das UltraMantis vorsichtiger gewrestlet hat als früher, weshalb sein Run als Champion vielleicht nicht ganz so lange angedauert hat. Vielleicht wollte er dem Titel auch kein Unrecht tun. Wen dem so sein sollte, widerspreche ich dem aber klar: UltraMantis Black hat eine tolle, wenn auch für viele unscheinbare Karriere hingelegt, in der er mit Stolz für seine Promotion angetreten ist, in der er unsagbar viele Schlachten geschlagen hat und in der er mit die besten Promos gezeigt hat, die je ein Wrestler zeigen konnte. Er lebte und lebt dieses Gimmick, und er hat jede Show mit seinen Auftritten aufgewertet und zu etwas Besonderem gemacht. DANKE FÜR ALLES, UltraMantis Black!

Ich habe mir zuletzt auch einige STARDOM-Shows aus dem Jahre 2015 angesehen. Und das, obwohl ich die Liga erst seit Ende 2016/Anfang 2017 fest verfolge. Ich glaubte, etwas verpasst zu haben, und ich hatte recht: Die Matches von Yuka ´Act´ Yasukawa sind einfach sagenhaft. Wer noch nichts über Act Yasukawa weiß, der sollte sich ihre Geschichte einmal von mir erzählen lassen (ich bin auch nicht ganz sicher ob ihre Geschichte schon einmal irgendwo auf deutsch vorgetragen wurde).
Als kleines Mädchen hatte Act eine sehr lebhafte Fantasie. Sie sah sich viele Samurai-Filme an und spielte oft nach, selbst einer zu sein. Der Traum eine echte Samurai zu werden war etwas, an dem sie ganz fest glaubte. Ihre Eltern ließen sie Kendo-Unterricht nehmen, den sie vom 1. bis zum 6. Grad studierte. In der Zeit, als sie die Sekundarstufe besuchte, musste sie allerdings eine große Enttäuschung hinnehmen als ihre Mitschüler ihr sagten das es kein annerkannter Beruf mehr sei, Samurai zu sein. Für Act war es so, als würde man ihr sagen das der Weihnachtsmann nicht existiere. Sie war so verärgert und bestürzt darüber, dass die den Kendo-Unterricht aufgab. Während der Zeit auf der Sekundarstufe wurde sie oft dafür schikaniert, ´anders´ zu sein. Hinzu kommt, dass sie für etwas gemobbt wurde, wofür sie nichts konnte: Sie war auf dem rechten Auge halb blind. Dies hatte zur Folge das sie begann an ADHS und anderen psychischen Erkrankungen zu leiden. Sie war immer isoliert, sogar Zuhause; ihr Vater war immer arbeiten und ihre Mutter kümmerte sich um ihre kranken Eltern. Statt die nötige Hilfe eines ausgebildeten Beraters zu finden, wurde sie an einen Chirurgen verwiesen, der ihr vorwarf, ein ´schlechtes, faules Kind zu sein das eine Krankheit vorgibt um nicht mehr zur Schule zu müssen´. In dem Wissen, von nirgendwo mehr Hilfe zu bekommen, griff sie sich eine Flasche Haushaltsreiniger (engl. Toxic Cleaner) und trank sie aus, in der Hoffnung so ihr Leben zu beenden.
Nach diesem Suizidversuch erhielt sie endlich die Hilfe, die sich brauchte und der Weg zur Genesung wurde gelegt. In der Junior High sowie der High School entdeckte sie eine Vorliebe für das Schauspiel. Sie konnte sogar kleinere Rollen ergattern und hoffte, ihren Traum eine Samurai zu sein so erfüllen zu können. Wenn sie es nicht im wahren Leben sein konnte, dann wenigstens im Film. Gerade als sie etwas an mentaler Stärke dazugewonnen hatte, traf sie ein erneuter Schicksallschlag: Sie begann an einer Krankheit zu leiden, die sich Grave´s Disease nennt. Sie wurde schnell extrem dünn, fühlte sich schwach und wackeling auf den Beinen. Dies führte dazu, dass sie nicht die Rollen bekam, die sie gern spielen wollte. Statt einer Action-Heldin bekam sie Rollen als schwache Mädchen; ein großer Unterschied zwischen dem was sie sein wollte und dem was sie war. Doch dann bekam sie eine Rolle, die ihr eine große Chance offenbarte: Ein Platz im Theaterstück Wrestler Girls, an der Seite eines ehemaligen Models, die selbst zu einer richtigen Wrestlerin wurde - Yuzuki Aikawa. Durch Aikawa bekam Act eine Chance, sich bei STARDOM vorstellen zu können und bekam ein Gespräch mit General Manager Fuka. Trotz ihrer Krankheit und dem Wissen wie hart es wird, trat sie dieser Aufgabe entgegen. In dem Wissen, vielleicht doch noch eine echte Kämpferin zu werden. Es fühlte sich wie Schicksal an. nach drei Monaten des Trainings fühlte Act sich erneut ernsthaft krank. Ihr Arzt riet ihr vom Wrestling und allgemein anstrengenden Aktivitäten ab, doch sie lehnte ab. Ihr Arzt verschrieb ihr ein Körperstärkendes Mittel, welches allerdings das Risiko beherbergte, das Act möglicherweise niemals Kinder bekommen könnte. Sie nahm eine zweiwöchige Auszeit und stieg danach wieder ins Training ein. Als sie zurückkam und sag wie alle den Dropkick übten, war sie so wütend darüber im Training zurückzuliegen, dass sie so viele Dropkicks übte bis ihr eigener höher und besser als war die von allen anderen.
Sie wurde zu einer professionell ausgebildeten STARDOM-Wrestlerin, die man außerhalb der Company in keinem anderen Ring sehen konnte, und die mit einem verrückten, femininen Samurai-Trinker-Gimmick zum Ring kam. Der Rum war nach ihren Angaben immer echt, und die Augenklappe die sie trug war eine Anlehnung an einen berühmten Samurai namens Date Masamune. Entgegen der Behauptungen, Act Yasukawa habe ein Piraten-Gimmick wie ihre Kollegin Kairi Hojo, dementierte Act  eine Piratin zu sein. Sie hielt sogar den weißen World of STARDOM Championship, der für Geist und Energie steht. Act hat viele weibliche Fans bekommen, doch diese Fans waren sehr überrascht wenn sie ihr Idol im wahren Leben begegnet sind: Denn Yuka Yasukawa ist ein wahrheit ein typisches Mädchen, eines von tausenden. Man kann also ganz klar erkennen, dass alles, was sie sich bisher aneignen konnte und gewünscht hatte, in ihrem Gimmick mit einfließen ließ: Ihre Schauspiel-Erfahrung und Ihr Traum eine starke Kämpferin zu sein. Doch sie wollte auch ein Vorbild sein, denn soziale Isolation ist in Japan sehr stark verbreitet und sie hoffte, mit ihrer Geschichte andere ermutigen zu können.

"Lebe während du am Leben bist. Habe kein totes Leben. Du kannst am Leben sein, doch innerlich tot sein, so wie ich es war. Ich hatte keine Gefühle oder Emotionen. Ich möchte das alle Fans ihr Leben in vollen Zügen genießen!"

Als Act im März 2014 gefragt wurde, wo sie sich in fünf Jahren sieht, dann wollte sie, dass man sie mit dem Begriff Joshi Puroresu in Verbindung bringt. Ein knappes Jahr später, am 22. Februar 2015, bestritt sie ein Match, welches heute als der Stardom Incident bekannt ist. Sie hatte ein Match gegen Yoshiko, die zu der Zeit 21 Jahre alt und Trägerin des roten World of Stardom Championships war - der Titel, für den sich Act ein Jahr zuvor noch nicht bereit fühlte. Genau in diesem einen Jahr musste Act sogar erneut pausieren, um ihren Kampf gegen die Grave´s Disease weiterzuführen. Wegen dieser Krankheit erblindete sie komplett auf dem rechten Auge, konnte ihr Augenlicht aber während dieser Pause wiederherstellen lassen. Ich finde es sehr schön, das so etwas möglich ist.
Act und Yoshiko hatten Backstage kein gutes Verhältnis, und als der Gong erklang, ging Yoshiko auf Act los und verletzte sie schwer. Nach nur einer Minute blutete Act stark aus der Nase, verweigerte jedoch eine Behandlung seitens der Ärzte. Act wollte unbedingt weitermachen und wurde von Yoshiko vollkommen zusammengeschlagen (Oh man, ich fange gleich beim Schreiben an zu heulen) sodass bei Act eine gebrochene Nase, ein gebrochenes Jochbein und ein Schädel-Hirn-Trauma festgestellt wurden. Die Offiziellen von STARDOM waren nicht in der Lage, die richtige Entscheidung zu treffen und erst als Kyoko Kimura das Handtuch für Act Yasukawa warf, wurde das Match beendet. Act wurde schreiend und weinend aus der Halle gebracht ("Ich will doch nur wrestlen!") und Yoshiko wurde von STARDOM entlassen und ihr der World of STARDOM Championship aberkannt. Act´s Eltern waren bei dieser Show anwesend und ihre Mutter soll Backstage vollkommen ausgerastet sein (mal ehrlich, ich als Vater von Act hätte Rossy Ogawa dafür eine aufs Maul gehauen). Dazu kommt, dass nicht einmal ein Arzt anwesend war (was sowas von unprofessionell für eine Promotion wie STARDOM ist) und Act Probleme hatte, Luft zu bekommen. Laut einiger Stimmen heißt es, Yoshiko habe damals gesagt das sie Act ´absolut hasst´. Neid? Wie auch immer, egal wie erfahren oder unerfahren man ist, man hat private Konflikte nicht mit in den Ring zu tragen. Unfassbar das Yoshiko heute noch immer von kleinen Veranstaltern gebucht wird, denn auch im August 2017 fühlt sich diese Geschichte nicht viel besser an. Ich habe vom Incident nur Bilder gesehen, die so grausam waren das ich es nicht bringe mir diesen Vorfall in Videoform anzusehen. Ich halte Yoshiko vor ein absolutes Miststück sondergleichen, und damit stehe ich in der Meinung vieler Leute (ausnahmsweise mal).
Act Yasukawa war von jenem Februar 2015 bis September 2015 verletzt, um dann entgegen ärztlichen Rates ihr letztes großes Match beim STARDOM Year End Climax am 23. Dezember in der Korakuen Hall zu bestreiten, in dem sie an der Seite von Kyoko Kimura, die so sehr für sie eingestanden hatte, gegen Kairi Hojo und Haruka Kato gewinnen konnte. Die Abschluss-Zeremonie war sehr ergreifend für diese Frau, die gerade einmal vier Jahre aktiv sein konnte und die in dieser Zeit das Wrestling mehr lieben gelernt hatte als die meisten Wrestler und Fans überhaupt. Wenn ich bedenke das Act in etwa so alt ist wie ich, stimmt es mich sehr traurig das sie aufhören musste. Durch den brutalen Angriff von Yoshiko haben sich die Symptome ihrer Krankheit wieder verstärkt, weshalb sie sich künftig komplett dieser Erkrankung, die oft durch psychosozialen Stress ausgelöst wird, widmen möchte. An dieser Stelle muss ich auch mal eine Lanze für Kris Wolf brechen, die eine Seele von einem Menschen ist und die immer für Act da war und ist. Act selbst besucht auch heute noch STARDOM-Shows, und trat damals für Rossy Ogawa ein indem sie ihm die Schuld für den Vorfall nahm. Nach Angaben von Kris Wolf ist Yuka Yasukawa heute sehr glücklich und modelt sogar zwischendurch wieder, so wie sie es früher schon tat. In meinen Augen, aber auch in den Augen vieler anderer, ist Act Yasukawa ein wundervoller Mensch. Und wenn ich dies einmal anmerken dürfte, sie hat ein atemberaubend hübsches Gesicht. Ein Gesicht, aus dem man nichts negatives herauslesen kann. Wie sehr würde ich mir wünschen, einmal ein Gespräch mit diesem sehr lieben und netten Menschen führen zu dürfen. Act Yasukawa, ein Unikat.

Habt ihr auch den Eindruck, dass meine Beiträge hier immer länger werden? Oh man, na ich hoffe es gefällt den wenigen Lesern wenigstens, die hier auf diese Seite finden. Ein paar Beiträge werden in diesem Jahr sicherlich noch folgen.

Bis dahin,
Gordman